Gotthard-Basistunnel

Der Gotthard-Basistunnel besteht aus zwei 57 km langen Einspurröhren. Zählt man sämtliche Verbindungs- und Zugangsstollen sowie Schächte hinzu, misst das Tunnelsystem über 152 km. Er verbindet das Nordportal in Erstfeld mit dem Südportal in Bodio. Mit einer Felsüberlagerung von bis zu 2300 Metern ist der Gotthard-Basistunnel nicht nur der längste, sondern auch der tiefste bisher gebaute Eisenbahntunnel der Welt.

Zwei Multifunktionsstellen in Faido und Sedrun unterteilen die beiden Tunnelröhren in drei ungefähr gleich lange Abschnitte. Hier befinden sich die Nothaltestellen und je zwei Spurwechsel. Bei einem Ereignis wie einem Zugbrand oder einer Panne im Gotthard-Basistunnel fährt ein Zug wenn immer möglich aus dem Tunnel ins Freie. Ist dies nicht möglich, hält der Lokführer den Zug in einer dieser Nothaltestelle an.

Nebst dem Tunnel braucht es für die Zufahrt zu den Tunnels zahlreiche Kunstbauten wie Unterführungen und Brücken. Die offene Strecke im Urner Reusstal quert Siedlungsräume, Strassen, Gewässer und landwirtschaftliche Flächen Schutzmassnahmen gegen Lärm, Staub, Hochwasser und der Naturschutz sind deshalb ebenso wichtige Herausforderungen wie die technische Ausführung der neuen Bahnstrecke.

Die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels fand am 1. Juni 2016 statt, fahrplanmässig ging er am 11. Dezember 2016 in Betrieb.

Rohbau

Für den Bau gliederte man den Gotthard-Basistunnel in fünf verschiedene Abschnitte. Durch Zugangsstollen gelangten Menschen, Material und Maschinen zu den Baustellen im Berg. Um Zeit und Kosten zu sparen, erfolgten die Bauarbeiten an den verschiedenen Abschnitten gleichzeitig.

Für den Bau wurde der Abschnitt Sedrun über einen 1 km langen, horizontalen Zugangsstollen und zwei 800 m tiefe Schächte erschlossen. Von da aus erfolgten die Sprengvortriebe in beiden Tunnelröhren Richtung Norden und Süden. Weil die hohe Gebirgsüberlagerung und die starken Spannungen den Tunnel zu verformen drohten, war teilweise eine spezielle Ausbruchsicherung notwendig. Die Ingenieure entwickelten ein neuartiges, innovatives Konzept mit flexiblen Stahlbogen, die sich bei Gebirgsdruck zusammenschoben und damit Deformationen am fertigen Bauwerk verhinderten.

Der erste Hauptdurchschlag am Gotthard fand am 15. Oktober 2010 um 14.17 Uhr in der Oströhre statt. Rund 30 km vom Südportal und 27 km vom Nordportal entfernt. Der Durchbruch erfolgte mit einer grossen Genauigkeit. Die Abweichung betrug nur 8 cm horizontal und 1 cm vertikal.
Der Vortrieb in den Hauptröhren erfolgte zu 80 % über Tunnelbohrmaschinen, 20 % erfolgten über konventionellen Sprengvortrieb. Insgesamt wurden 28,2 Millionen Tonnen Ausbruchmaterial aus dem Tunnel befördert.

Bahntechnik

Erst die bahntechnischen Anlagen ermöglichen den Eisenbahnbetrieb im Gotthard-Basistunnel. Nach Abschluss der Rohbauarbeiten folgte von 2010 – 2015 der Einbau der Bahntechnik. Zur Bahntechnik gehören die Fahrbahn, Fahrleitung, Bahnstrom- und Stromversorgung, Kabel-, Telecom- und Funkanlagen, Sicherungs- und Automatisationssysteme und die Leittechnik. Auch umfangreiche Bauprovisorien wie Baulüftung, Baukühlung, Baustromversorgung, Beleuchtung und Baukommunikation waren für den Einbau der Bahntechnikanlagen notwendig.

Der Einbau der Bahntechnik erfolgte ausschliesslich über die beiden Portale im Norden und Süden. Wegen den engen Platzverhältnissen im Tunnel wurden sämtliche Materialien über die Schiene eingebracht. Die logistische Basis bildeten die Bahntechnikinstallationsplätze in Erstfeld-Rynächt und Biasca. Eine grosse Herausforderung beim Einbau der Bahntechnik ist die Komplexität: Über 1000 technische Nahtstellen sind aufeinander abzustimmen, damit reibungsloser Bahnverkehr möglich ist.

Beauftragt mit der bahntechnischen Ausrüstung des Gotthard-Basistunnels und der offenen Strecken wurde der Generalunternehmer Bahntechnik „Transtec Gotthard“. Der Werkvertrag Bahntechnik Gotthard-Basistunnel umfasste Leistungen in der Höhe von 1.7 Milliarden CHF. Damit ist er einer der weltweit grössten Verträge im bahntechnischen Bereich und der grösste Werkvertrag der AlpTransit Gotthard AG.

Inbetriebsetzung

Die Inbetriebsetzung des Gotthard-Basistunnels war sehr komplex und in verschiedene Schritte aufgeteilt. In Teilprüfungen wurde jede einzelne Komponente und Anlage auf ihre Funktionalität hin getestet.

Nach Abschluss des Einbaus und der erfolgreichen Teilprüfung sämtlicher Komponenten und Installationen begann auf der gesamten Tunnelstrecke die eigentliche Inbetriebsetzung. Diese war in zwei Schritte unterteilt: den Testbetrieb und den Probebetrieb.

Die AlpTransit Gotthard AG als Erstellerin wies im Testbetrieb von Oktober 2015 – Mai 2016 die Funktionalität und die Erfüllung der Sicherheitsanforderungen nach. Mit Zugfahrten wurde das Zusammenspiel aller Tunnelkomponenten ausgiebig geprüft.

Der anschliessende Probebetrieb stand unter der Hauptverantwortung der SBB, der Betreiberin des Gotthard-Basistunnels. Erst als nachgewiesen ist, dass der Betrieb mit Personen- und Güterzügen, der Personaleinsatz und die Ereignisbewältigung reibungslos funktionieren, erteilte das zuständige Bundesamt für Verkehr am 5. Dezember 2016 die Betriebsbewilligung für den fahrplanmässigen Betrieb.