Bundesrat besichtigt Gotthard-Basistunnel

Premiere im Gotthard-Basistunnel: mit dem ersten Personenzug fuhr der Bundesrat bei seinem heutigen Besuch des längsten Eisenbahntunnels der Welt auf den definitiven Schienen von Erstfeld bis nach Sedrun. Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf unterstrich in ihrer Ansprache vor Ort die grosse Bedeutung der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) für das europäische Eisenbahnnetz.

Der Bundesrat verschaffte sich mit seinem Besuch des Gotthard-Basistunnels selbst ein Bild von diesem komplexen logistischen Unternehmen im Endausbau. Nach dem Durchschlag vom Oktober 2010 beginnt nun mit dem Ausbau der Schachtförderanlage und dem Einbau der Bahntechnik die letzte Etappe auf dem Weg zur Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels.

Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf dankte in ihrer Ansprache den Mitarbeitenden der AlpTransit Gotthard AG und insbesondere auch allen Mitarbeitenden von beauftragten Unternehmen, die unter zum Teil schwierigen Bedingungen das Jahrhundertwerk NEAT möglich machen. Sie unterstrich die grosse logistische und finanzielle Leistung und zeigte sich zufrieden und optimistisch, dass das Projekt das vorgesehene Kostendach und den Zeitrahmen einhalten kann.

Inbetriebnahme voraussichtlich Ende 2016
Die kommerzielle Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels ist nach 17 Jahren Bauzeit bereits per Ende 2016 vorgesehen. Der mit 57 Kilometern dereinst weltweit längste Eisenbahntunnel wird dazu beitragen, das steigende Güter- und Personenaufkommen auf der Nord-Süd-Achse sicher und nachhaltig zu bewältigen. Wie der Lötschberg-Basistunnel, der 2007 in Betrieb genommen wurde, ist auch der Gotthard-Basistunnel für den Güter- und den Personenverkehr mit Hochgeschwindigkeitszügen konzipiert. Die Schweiz baut die Zufahrten zum Gotthard- und zum Ceneri-Basistunnel schrittweise aus und erwartet, dass auch Deutschland und Italien Ihre Anschlüsse wie vereinbart zeitgerecht fertig stellen.

Der Bundesrat fuhr ab Erstfeld mit dem Zug rund 20 Kilometer in den Berg bis zur Multifunktionsstelle Sedrun, anschliessend mit der Schachtförderanlage 800 Meter hinauf bis zum sogenannten Schachtkopf und von dort mit der Stollenbahn nach Sedrun, wo er sich am neuen Badesee Lag Claus Surrein mit einer Delegation der Bündner Regierung und der Bevölkerung von Sedrun traf.

Auf dem Rundgang durch den Gotthard-Basistunnel informierte Renzo Simoni, Vorsitzender der Geschäftsleitung der AlpTransit Gotthard AG, über die laufenden Arbeiten in der Multifunktionsstelle sowie über den aktuellen Stand der Arbeiten auf der Gotthardachse. Die Innenausbauarbeiten und der Einbau der bahntechnischen Anlagen kommen wie geplant voran. Die Weströhre des Gotthard-Basistunnels zwischen Faido und dem Südportal bei Bodio West ist bereits komplett mit den Bahntechnikanlagen ausgerüstet. Ab Ende 2013 finden auf der rund 16 Kilometer langen Teilstrecke Testfahrten mit Geschwindigkeiten bis zu 230 km/h statt. Dadurch kann das komplexe Zusammenspiel aller bahntechnischen Systeme im Gotthard-Basistunnel getestet werden. Seit Februar 2012 werden vom Nordportal in Erstfeld her Kabel eingezogen und die feste Fahrbahn betoniert. Beim Ceneri-Basistunnel ist in der Zwischenzeit mehr als die Hälfte des insgesamt 40 km langen Tunnelsystems ausgebrochen. Die Inbetriebnahme ist Ende 2019 vorgesehen. Abhängig von den Zufahrtsstrecken werden zwischen 250 und 300 Züge pro Tag durch den Gotthard-Basistunnel fahren. Die Endkosten für die NEAT (Gotthard-, Ceneri- und Lötschberg-Basistunnel sowie weitere Ausbauten) wurden per Ende 2011 durch das Bundesamt für Verkehr (BAV) auf 18.7 Milliarden Franken (Preisstand 1998) veranschlagt.