Geologie in Faido fordert Tunnelbauer weiterhin heraus

Schwierige geologische Verhältnisse im Teilabschnitt Faido des Gotthard-Basistunnels fordern die Tunnelbauer heraus. Der Vortrieb in den beiden Tunnelröhren erfolgt bisher langsamer als erwartet.

Im Juli und Oktober 2007 haben die beiden Tunnelbohrmaschinen den Vortrieb von der bereits fertig ausgebrochenen Multifunktionsstelle Faido Richtung Sedrun aufgenommen. In der Oströhre sind in der Zwischenzeit ca. 1'100 m ausgebrochen, in der Weströhre rund 500 m. Die geplanten Vortriebsleistungen schwanken zwischen 3 und 10 m pro Tag. In der Oströhre sind es zurzeit durchschnittlich ca. 6 m pro Tag, in der Weströhre etwas mehr als 4 m pro Tag. Die Leistungen liegen unter den Erwartungen.

Dafür verantwortlich sind die angetroffenen Gesteinsschichten der Lucomagno-Gneise, die teilweise stark glimmerhaltig und horizontal geschichtet sind und zu erheblichen Deformationen führen. Der Sohlbereich wird mit zusätzlichen Ankern gesichert. Teilweise wird nachprofiliert werden müssen. Zudem wurde festgestellt, dass der angetroffene schiefrige Glimmergneis zu einer gegenseitigen Beeinflussung der beiden Röhren führt. Dies zeigt sich vor allem mit Sohlhebungen in der bereits erstellten Röhre. Teilweise muss die Sohle neu erstellt werden.

Die Tunnelbauer erwarten, dass die Verhältnisse besser werden, sobald die horizontale in eine steil stehende Schieferung übergeht. Dieser Übergang, Chièra-Synform genannt, dürfte in Kürze erreicht werden.

Der Vortriebsverlauf im Teilabschnitt Faido verursacht bisher einen Rückstand von etwa zwei Monaten auf den Gesamtterminplan des Gotthard-Basistunnels. Angesichts der noch knapp vierjährigen geplanten Vortriebsdauer bis zum Durchschlag in Sedrun können noch keine Aussagen zu den Auswirkungen auf den geplanten Inbetriebssetzungstermin von Ende 2017 gemacht werden.

Aufgrund der Erfahrungswerte bei ähnlichen Erscheinungen im Teilabschnitt Bodio, gehen erste grobe Schätzungen davon aus, dass die Sanierungsmassnahmen und die Vortriebsbehinderungen
Mehrkosten von ca. CHF 60 bis 100 Mio. zur Folge haben. Genauere Angaben können allerdings erst dann gemacht werden, wenn die bautechnisch schwierige Zone vollständig durchfahren ist.

Im Risikopotenzial, welches die ATG im Frühjahr 2007 erhoben und gegenüber dem BAV ausgewiesen hat, sind die jetzt eingetretenen geologischen Risiken erfasst und somit im Finanzierungsbedarf für die NEAT berücksichtigt worden.