Hauptdurchschlag im längsten Eisenbahntunnel der Welt

Weltrekord am Gotthard: Der längste Eisenbahntunnel der Welt wird Realität. 30 Kilometer vom Südportal und 27 Kilometer vom Nordportal entfernt fand am 15. Oktober 2010 in der Oströhre der erste Hauptdurchschlag am Gotthard statt: Die Tunnelbohrmaschine durchbrach von Faido her kommend gegen 14.30 Uhr die letzten Meter Fels auf dem Weg nach Sedrun.

Der Durchschlag der Tunnelröhre erfolgte mit grosser Genauigkeit. Die Abweichung ist mit 8 Zentimetern horizontal und 1 Zentimeter vertikal sehr gering. In seiner Ansprache zeigte sich Bundesrat Moritz Leuenberger erfreut, aber auch bewegt über die Realisierung des wichtigen Meilensteins am Gotthard: „Dieser Durchschlag ist ein Symbol dafür, was die Politik kann, wenn wir sie alle gemeinsam gestalten“, sagte er. Der neue Basistunnel werde die Schweizerische, aber auch die europäische Verkehrspolitik nachhaltiger machen.  Renzo Simoni, Vorsitzender der Geschäftsleitung der AlpTransit Gotthard AG richtet seinen Dank an die zahlreichen Mineure. „Durch ihren jahrelangen unermüdlichen Einsatz haben sie diesen Weltrekord erst ermöglicht. Die Mineure sind die Helden des heutigen Tages.“

Freude bei Gästen und Mineuren
Am Durchschlagspunkt tief im Berg, etwas mehr als sechs Kilometer südlich von Sedrun, erlebten rund 200 Personen den Durchschlag der Tunnelbohrmaschine mit, unter ihnen Ehrengäste um Verkehrsminister Moritz Leuenberger. Rund 3500 Mineure und Projektbeteiligte, darunter aktuelle und ehemalige Ingenieure, Planer, Geologen oder Vermesser, verfolgten den Durchbruch der Tunnelbohrmaschine an verschiedenen Festorten in der Werkhalle Sedrun, der Multifunktionsstelle Faido, beim Nordportal in Erstfeld und im KKL Luzern auf Grossleinwand. Schweizweit und international wurde das Ereignis vom Schweizer Fernsehen live übertragen.

Verkehrspolitisches Gewicht
Der Gotthard-Basistunnel unterquert die Alpen auf einer Länge von 57 km und verbindet das Nordportal in Erstfeld (Kanton Uri) und das Südportal in Bodio (Kanton Tessin). Mit einer Felsüberlagerung von bis zu 2500 Metern ist der Gotthard-Basistunnel auch der tiefste bisher gebaute Eisenbahntunnel der Welt. Zusammen mit dem 15,4 km langen Ceneri-Basistunnel bildet der Gotthard-Basistunnel eine Flachbahn durch die Alpen. Der Basistunnel am Gotthard ist das Herzstück der neuen Bahnverbindung. Voraussichtlich Ende 2017 wird er in Betrieb genommen. Dann wird er zu markanten Verbesserung der Reise- und Transportmöglichkeiten im Herzen Europas führen: Die  Verlagerung der Gütertransporte Nord-Süd auf die Schiene wird begünstigt und die Reisezeit von Zürich nach Mailand von heute 3 Stunden und 40 Minuten auf 2 Stunden und 50 Minuten verkürzt. Mit der Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen (NEAT) am Gotthard und Lötschberg leistet die Schweiz einen von der EU anerkannten wichtigen Beitrag zum Zusammenwachsen Europas.

Der Bau des Gotthard-Basistunnel
Der Gotthard-Basistunnel besteht aus zwei parallelen Einspurröhren, die alle 325 Meter mit einem ca. 40 Meter langen Querschlag verbunden sind. Insgesamt misst das Tunnelsystem des Gotthard-Basistunnels mit allen Tunnels, Schächten und Stollen 151,8 km. An den Drittelspunkten, in Faido und Sedrun, befinden sich Multifunktionsstellen, die als Nothaltestellen sowie Spurwechsel dienen. Gebaut wurde der Gotthard-Basistunnel parallel an den fünf Abschnitten Erstfeld, Amsteg, Sedrun, Faido und Bodio. Erste Vorarbeiten erfolgten bereits 1993 mit dem Sondiersystem Piora und von 1996 bis 1998 mit der Sprengung der Zugangsstollen in Sedrun, Faido und Amsteg. Seit 2001 wird an den Hauptlosen gebaut. Der zweite Hauptdurchschlag in der Weströhre erfolgt voraussichtlich im April 2011.